Sandro Göldi, EHB Didaktisches Basismodul A für Lehrpersonen
Wer Sandro Göldi trifft, merkt schnell: Hier ist jemand unterwegs, der gerne einen Extrameter geht. Der 1994 geborene Rheintaler beschreibt sich als offen, zielstrebig und «immer ein bisschen unter Strom».
Neben seinem beruflichen Alltag engagiert er sich als Leiter im Turnverein und als SAC-Tourenleiter. Klettern, Skitouren, Bergtouren: Draussen zu sein ist für Sandro Göldi ein wichtiger Ausgleich. Ein Highlight war für ihn die Teilnahme an der Patrouille des Glaciers, für die er mit zwei Kollegen während vielen Stunden trainiert hat. Dazu sieht er gerne die Welt: Im Herbst 2026 ist etwa ein dreimonatiger Aufenthalt in Sri Lanka und Australien geplant.
Zwischen Bahntechnik und Berufsbildung
Aktuell wohnt Göldi im St. Galler Rheintal, zieht aber im Herbst der Liebe wegen nach Chur - mit dem schönen Nebeneffekt, näher an den Bergen zu sein. Beruflich bewegt er sich an der Schnittstelle von Technik und Menschen. Er ist gelernter Telematiker, hat am NTB Systemtechnik studiert und darüber hinaus einen Master of Science in nachhaltigen Energiesystemen abgeschlossen. Seit fast sieben Jahren arbeitet er bei Stadler Rail als Systemingenieur und seit einiger Zeit als Projektleiter im Offert-Engineering für internationale Ausschreibungen.
Dort bringt er Spezialistinnen und Spezialisten zusammen, damit am Ende ein Zug entsteht, der technisch funktioniert, wirtschaftlich Sinn macht und Kundinnen und Kunden überzeugt. Besonders schätzt er, dass Bahnprojekte ökologisch und verkehrstechnisch sinnvoll sind und er so «etwas machen kann, das wirklich etwas nützt».
Parallel dazu arbeitet er am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen als Berufsschullehrer im Fachbereich Automation. Er unterrichtet Physik, Elektrotechnik und ein Fach im Bereich Projektmanagement. Genau dieses gefällt ihm besonders gut: «Dort haben die Lernenden viel Freiheiten: Sie bauen Drohnen, kleine Roboter und können kreativ sein. Mit neuen KI-Tools ergeben sich heute immer mehr spannende Möglichkeiten.»
Um die Doppelrolle als Projektleiter und Lehrperson gut zu kombinieren, arbeitet Göldi im 80%-Pensum bei Stadler Rail. Festgelegte Nachmittage gehören deshalb den Lernenden. Eine Priorität, die für Göldi wichtig ist: «Ich mache das wirklich gerne und schätze den direkten Kontakt mit den, wie ich gerne sage, jungen Ingenieuren».
Der Einstieg ins Unterrichten
Dass Göldi irgendwann unterrichten würde, hat sich über die Jahre abgezeichnet. Ein Berufsschullehrer hatte ihn seinerzeit darauf aufmerksam gemacht, das könne doch etwas für ihn sein. Als am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen dann eine Stelle ausgeschrieben wurde, habe er die Chance gepackt.
Nervös war er beim ersten Unterricht nur begrenzt. Aus der Pfadi, dem Turnverein und J+S-Kursen kannte er die Situation, vor einer Gruppe zu stehen und Inhalte zu vermitteln: «Am Schluss ist es überall in etwa das Gleiche: Man bereitet etwas Spannendes vor, nimmt die Leute mit und versucht, gemeinsam ans Ziel zu kommen. Der Schritt ins Klassenzimmer war für mich darum gar nicht so gross.»
Motivation für das Didaktische Basismodul
Für seine Tätigkeit als Berufsschullehrer braucht Sandro neben der fachlichen Ausbildung auch eine didaktische Qualifikation. So kam das EHB Didaktische Basismodul A ins Spiel, das er an der ibW in Chur absolviert. «Formal war das Modul nötig. Aber mir war auch schnell klar: Wenn ich schon unterrichte, will ich es auch didaktisch richtig machen», so Göldi.
Vor dem Start hatte er gewisse Vorurteile. Er kannte Erzählungen zu klassischen Pädagogik-Weiterbildungen und war eher skeptisch. Die Lösung an der ibW fand er deutlich attraktiver: Fünf Blöcke Unterricht an drei verlängerten Wochenenden (Donnerstag bis Samstag), gut planbar neben Projektleitung und Unterricht, und mit einem klaren Fokus auf Praxis.
Didaktik, die direkt im Unterricht ankommt
Im Basismodul A erlebt Sandro, was er sich erhofft hat: eine breite, aber sehr praxisnahe Palette an Themen. Im Fokus stehen dabei digitale Kompetenzen im Unterricht, Praxis-Themen wie die Gestaltung von Flipcharts und Visualisierungen, die zielgerichtete Erstellung von Bewertungsrastern für transparente Beurteilung sowie verschiedene didaktische Themen wie der Formulierung und Aufbereitung von Lernzielen. «Wir arbeiten zum Beispiel mit einer Liste digitaler Tools, die man im Unterricht direkt einsetzen kann. Die Mehrheit davon kann ich wirklich eins zu eins mitnehmen – von Prüfungen korrigieren bis Unterricht planen.»
Die Dozierenden beschreibt er als klar pädagogisch ausgerichtet, aber mit einem guten Mix aus Theorie und Praxis. Für ihn stimme das Verhältnis: genug Hintergrund, um zu verstehen, warum etwas wirke und doch genug konkrete Methoden, damit sie auch im Unterricht angewendet werden können.
Besonders gefällt Göldi die Zusammensetzung der Klasse. Viele seiner Mitstudierenden kommen aus handwerklichen Berufen wie Schreinerei oder Bauzeichnen. «Das sind Leute aus der Praxis, die für ihr Handwerk einstehen und es wie ich gerne an die Lernenden weitergeben. Wir haben eine sehr coole Gruppe, der Austausch ist für mich im Kurs fast am Wertvollsten.»
Was ihm im Unterricht wichtig ist
Im Klassenzimmer setzt Sandro stark auf Praxisbezug. Theoretische Inhalte verankert er immer in realen Situationen, sei es aus der Bahntechnik oder aus Projekten der Lernenden. «Ich will die Lernenden gluschtig machen. Sie sollen sehen, warum sich der Einsatz lohnt und wie sich das, was wir machen, in der Praxis auswirkt.»
Dass er zu den jüngeren Lehrpersonen gehört, empfindet er dabei als Vorteil. Die Hemmschwelle, Fragen zu stellen oder etwas kritisch anzusprechen, sei oft tiefer. Wichtig ist ihm, authentisch zu bleiben. Er verlangt von Lernenden keine Perfektion - und auch nicht von sich selbst: «Man muss nicht überall der Spezialist sein. Gerade bei Normen oder spezifischen technischen Systemen muss und kann man auch mal sagen, dass man etwas nicht weiss und es gemeinsam anschaut. Das kommt bei den Lernenden gut an.»
Fachkräfte von morgen – ein differenzierter Blick
Auf die Diskussion um Fachkräftemangel und die Motivation der Lernenden blickt Sandro differenziert. Er erinnert sich daran, dass auch seine Generation nicht in jeder Lektion immer hochmotiviert war. Gleichzeitig beobachtet er, dass sich das Verhältnis von Arbeit und Leben verändert. Die Idee, «das Arbeiten dem Leben anzupassen und nicht umgekehrt», findet er grundsätzlich nicht falsch. Kritischer wird er, wenn die Erwartung entsteht, weniger leisten zu wollen und trotzdem mehr zu erhalten. Ihm ist wichtig, dass Leistung und Gegenleistung in einem fairen Verhältnis stehen - und dass jede und jeder seinen Platz auf dieser Kurve findet.
Bei Stadler Rail wird seine Doppelrolle als Projektleiter und Berufsschullehrer gut aufgenommen. Zum einen, weil die Firma selbst Lernende ausbildet. Zum anderen, weil Göldi Inhalte aus der Bahntechnik direkt in die Berufsbildung einbringt. «Ich kann vieles aus dem Projektalltag in den Unterricht holen. Und umgekehrt nehme ich aus der Schule Impulse mit zurück ins Unternehmen. Das wird grundsätzlich schon geschätzt.»
Beruflich möchte Göldi zukünftig anspruchsvolle Projekte umsetzen. Ein Ziel ist es, einmal ein Projekt von der ersten Offertphase bis zur Übergabe des fertigen Zuges komplett zu begleiten. Die Kombination aus fachlicher Tiefe und Projektverantwortung steht für ihn dabei im Fokus: «Nur Projektmanagement wäre mir zu wenig. Ich brauche auch die fachliche Verantwortung und das Hands-on-Gefühl – ich habe gerne, wenn sich etwas bewegt. Im Idealfall so wie vorgesehen.»
Sein Tipp für angehende Lehrpersonen
Im Unterricht will er sich didaktisch weiterentwickeln und sein Profil als Lehrperson schärfen. Das EHB Didaktische Basismodul A an der ibW sieht er als wichtigen Baustein dafür. Göldi empfiehlt allen, die als Berufsfachlehrperson einsteigen wollen, möglichst viel Praxiserfahrung zu sammeln – sowohl im Beruf wie auch im privaten Umfeld: «Erfahrungen aus Leitungsfunktionen mit Jugendlichen und Erwachsenen helfen hierbei enorm. Sei dies am Berg, in der Turnhalle oder im Zeltlager. Und didaktische Weiterbildungen wie das Basismodul A lohnen sich, weil sie das erworbene praktische Wissen mit Theorie und konkreten Methoden aus der Praxis abrunden.»