Nico Rettich, Student dipl. Elektrotechniker HF
Wer Nico Rettich begegnet, merkt schnell: Hier spricht ein energievoller Mensch – voller Tatendrang, ambitioniert und mit einer klaren Haltung zu seiner eigenen Entwicklung. Der 1997 geborene Bündner bezeichnet sich selbst als extrovertierten Sommermenschen, der aus der Sonne Kraft tanken kann. Seine Erwartung an sich selbst: «Ich bin ambitioniert und habe den Anspruch, in dem, was ich mache, gut zu sein – auch wenn mir das nicht immer gelingt», sagt Rettich.
Vom Polizeianwärter zum Elektrotechniker
Der berufliche Weg von Nico Rettich verlief nicht geradlinig. Nach der Lehre als Elektroinstallateur EFZ bei der EMS-Chemie und dem Militärdienst begann er die Ausbildung bei der Kantonspolizei Graubünden. Doch dann kam die Erkenntnis: «Ich musste feststellen, dass ich die nötige emotionale Distanz zu den verschiedenen Schicksalen der Betroffenen nicht wahren konnte», erzählt er. Die Folge war eine berufliche Neuorientierung. Nach der gesundheitlichen Berufsmatura landete er bei der Montelec AG, wo er heute noch arbeitet und sich gezielt weiterbildet.
Dort verkabelt er Schaltschränke für Unter- und Kraftwerke, führt Installationen aus und übernimmt komplexe Aufgaben an Überwachungsanlagen für Mittel- und Hochspannung. «Ein Fehler kann hier gravierende Folgen haben – von Unfällen bis hin zu grossflächigen Stromausfällen, die Auswirkungen auf das gesamte Schweizer Netz haben könnten», so Rettich.
Die Wahl der ibW Höheren Fachschule Südostschweiz
Die Weiterbildung zum Elektrotechniker HF war für Rettich ein logischer nächster Schritt. Er suchte eine Ausbildung, die fachlich in die Tiefe geht, regelmässiges Feedback durch Module ermöglicht und berufliche Perspektiven eröffnet. Besonders überzeugte ihn die Vielseitigkeit des Lehrgangs – weil sie ihm unterschiedliche Wege offenlässt.
Die Standorte der ibW in Chur, Sargans und Maienfeld liegen nah. Sein Vorgesetzter hatte bereits erfolgreich die HF Elektrotechnik abgeschlossen, und ein Freund überzeugte ihn endgültig während eines gemeinsamen Projekts bei der Holcim AG. Die gemeinsamen Unterrichtstage schätzt Rettich bis heute.
Nebst der optimalen geografischen Lage schätzt er vor allem den starken Zusammenhalt in der Klasse. «Ich bin eher ein Fan von praxisnahen Fächern wie den Regeln der Technik (NIN). Rein computerbasierte Fächer wie Programmierung in Python oder Codesys liegen mir weniger», berichtet er. Überrascht war er von der Tiefe der Management- und Arbeitstechnikfächer: «Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele praktische Prozesse eigentlich auf fundierten theoretischen Modellen basieren.»
Besonders helfen ihm die gelernten Normen im Alltag – beim Umbau seiner eigenen Hausverteilung und bei der Planung seiner PV-Anlage für die Diplomarbeit. «Viele Arbeitsschritte fallen mir leichter, weil ich die theoretischen Hintergründe verstehe.»
Was kommt nach dem Abschluss?
Beruflich steht für Rettich momentan nicht der nächste Karriereschritt im Mittelpunkt, sondern die Familienplanung. Langfristig kann er sich jedoch vorstellen, die Fachkunde (eidg. Prüfung) zu erwerben oder seine wirtschaftlichen Kenntnisse mit einem Master zu vertiefen. «Stillstand ist für mich keine Option. Ich möchte an mir wachsen und nicht stagnieren», wiederholt er.
Nach dem Abschluss als Elektrotechniker HF freut er sich darauf, wieder mehr Zeit für Sport und Bewegung zu haben, auf das gemeinsame Haus mit seiner Freundin und auf seine Hunde. Und ein Kindheitstraum begleitet ihn bis heute: «Ich möchte irgendwann für ein paar Monate als Freiwilliger bei Dinosaurier-Ausgrabungen in den USA helfen. Meine Begeisterung für Paläontologie hat seit dem ersten ‹Jurassic Park›-Film nie aufgehört!»