Etienne Röthlisberger - dipl. Techniker HF Bauplanung, Schwerpunkt Innenarchitektur
Etienne Röthlisberger kam an die ibW mit dem Wunsch nach einer neuen Herausforderung. Nach seiner Schreinerlehre wollte er keinen geraden Weg gehen und sich nicht dauerhaft in der reinen Schreinerwelt bewegen. „Ich wollte keine direkte Weiterbildung im Schreinerbereich, sondern etwas, das breiter aufgestellt ist und vielfältige Perspektiven eröffnet." Für ihn war klar, dass er Einblicke in unterschiedliche Bereiche braucht, um später vernetzt und ganzheitlich denken und arbeiten zu können.
Sein Vater, der Gebäudetechnik an einer Bauschule in Aarau unterrichtet, brachte ihm damals eine Broschüre zum Innenarchitektur Studium mit. Zu dieser Zeit lebte Röthlisberger jedoch bereits in Graubünden. Im Winter arbeitete er als Snowboardlehrer, während er den Rest des Jahres in einer Schreinerei tätig war. Neugierig meldete er sich für einen Online Infoabend sowie einen Rundgang an der Schule für Gestaltung an. „Der Ort und die gesamte Atmosphäre haben mir auf Anhieb gefallen", erzählt er.
Zweifel und Durchhaltewillen
Im ersten Semester arbeitete Röthlisberger weiterhin als Schreiner und Snowboardlehrer. Sein erstes Praktikum in der Innenarchitektur entsprach jedoch nicht seinen Erwartungen. Für ihn hatte die Tätigkeit wenig mit Innenarchitektur zu tun. Statt gestalterischer Arbeit standen das Bestellen und Verkaufen von Fertigküchen im Vordergrund. „Das war für mich keine Ergänzung zum Schreinerberuf. Fertigküchen zu verkaufen oder zu planen stimmte nicht mit meinem Schreinerstolz überein." Mit dem Alltag in diesem Umfeld konnte er sich nicht identifizieren.
„Ich habe mich gefragt, ob das wirklich der richtige Weg ist. Meine Vorstellung war es, vom ersten Kundengespräch über Skizzen und Planung bis hin zur Ausführung alle Schritte begleiten zu können." Seine persönliche Philosophie, dass sich immer irgendwo eine Tür öffnet, half ihm in dieser Phase sehr. Daran musste er sich im Verlauf des Studiums mehrfach erinnern, denn er fühlte sich manchmal fehl am Platz, öfter als ihm lieb war.
Nach einem halben Jahr wechselte er das Praktikum und trat ins Architekturbüro Iseppi Ganzoni ein. Dieser Schritt gab ihm wieder mehr Freude, Sicherheit und neuen Antrieb. Hier konnte er die Vielfalt des Berufs erleben und erste Erfahrungen sammeln, die wirklich zu seinem eigenen Weg passten.
Mit der Zeit begann das Gelernte Sinn zu ergeben. Besonders im fünften Semester merkte Röthlisberger, wie wertvoll es ist, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Die Inhalte, die zuvor abstrakt wirkten, fügten sich nun zu einem Gesamtbild zusammen und stärkten sein Selbstvertrauen.
Die Mitschüler erkannten beim Blick auf die Pläne sofort, welche Arbeiten von ihm waren. Diese eigene gestalterische Handschrift gab Röthlisberger neue Zuversicht und Motivation.
Im Praktikum bei der Iseppi Ganzoni AG blieb er schliesslich dreieinhalb Jahre. Als Projekt- und Bauleiter konnte er dort vor allem die Planung von Umbauten übernehmen, stets unterstützt von einem erfahrenen Vorgesetzten. „Dieses Praktikum war prägend. Ich konnte die Inhalte aus der Schule direkt in den Berufsalltag einbringen und umgekehrt", betont er.
Vom Unterrichtsprojekt zum Traumjob
Röthlisberger verfolgte von Beginn an das Ziel, nach der Weiterbildung direkt mit den Kunden am Tisch zu sitzen. Im Rahmen eines Unterrichtsprojekts stiess er auf das Unternehmen Cocoonvans und erkannte sofort eine konkrete Möglichkeit. Nach einem Telefonat mit dem Geschäftsführer entwickelte sich daraus genau die Tätigkeit, die er sich gewünscht hatte.
Zu Beginn arbeitete Röthlisberger ein halbes Jahr ausschliesslich als Schreiner, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Vans aufgebaut werden und worauf im Ausbau besonders geachtet werden muss. Heute begleitet er die Kundinnen und Kunden von Cocoonvans vom ersten Gespräch bis zur Übergabe des fertig ausgebauten Fahrzeugs. „Kundengespräche mit Skizzen, Entwürfe erstellen, Abläufe durchdenken und strukturieren, all das kann ich direkt anwenden. Auch in den Bereichen Baukosten und Planung konnte ich vieles übernehmen, obwohl Cocoonvans kein klassisches Architekturbüro ist."
Vom Lernenden zum Lehrenden
Nach seinem Abschluss und dem Gewinn des VSI ASAI Preises bleibt Röthlisberger vorerst bei Cocoonvans. Der Gedanke, sein Wissen künftig an Berufs- oder Höhere Fachschulen weiterzugeben, begleitet ihn bereits heute und passt zu einem Werdegang, der nie den direkten Weg genommen hat.