GV 2026: Rekordjahr und Präsidentenwechsel an der ibW

Die Generalversammlung der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz vom Mittwoch, 24. Juni, stand ganz im Zeichen eines Rekordjahres und wichtiger Weichenstellungen für die Höhere Berufsbildung. Die grösste Weiterbildungsinstitution im Tertiär-B-Bereich der Südostschweiz verzeichnete 2025 so viele Studierende wie noch nie und stellte zugleich die Führungsspitze neu auf: Der langjährige Präsident Jürg Michel übergab sein Amt an den Unternehmer und Grossrat Jan Koch. 

Über 100 Mitglieder, Behördenvertreterinnen und Behördenvertreter sowie weitere Gäste fanden sich in der ibW-Aula in Chur zur ordentlichen Generalversammlung ein. Für gute Stimmung sorgten die aktuellen Kennzahlen: 1592 Studierende waren im Jahr 2025 in einem Lehrgang an der ibW eingeschrieben - fast 100 mehr als noch 2024. Damit erreichte die ibW einen neuen Rekord in ihrer 36-jährigen Erfolgsgeschichte. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr über 53'000 Lektionen erteilt. 

«Nach einem finanziell herausfordernden Vorjahr hat die ibW 2025 gezeigt, zu was sie fähig ist», freute sich der Präsident des ibW Fördervereins, Nationalrat Martin Candinas. 

Mit über 100 eidgenössisch anerkannten Lehrgängen bietet die ibW berufliche Weiterbildungen in rund 30 Berufsrichtungen an. Die Fachbereiche Wirtschaft (505 Studierende), Technik & Informatik (398 Studierende) sowie Holz, Bau & Energie (387 Studierende) waren auch 2025 die grössten Teilschulen der ibW. 

Candinas GV

Das Jahr 2025 geht auch bildungspolitisch als Schlüsseljahr in die Geschichte der Höheren Berufsbildung ein. Auf nationaler Ebene gelang es, die Änderung des Berufsbildungsgesetzes (BBG) nach langen Jahren der Vorbereitung im Parlament durchzubringen. Ab Oktober 2026 kann damit in der Höheren Berufsbildung der Titelzusatz «Professional Bachelor» beziehungsweise «Professional Master» eingesetzt werden. 

«Das ist nicht nur eine kosmetische Änderung», betonte Candinas. «Wer international verstanden werden will, braucht auch einen international verständlichen Titel.» Zugleich verwies er auf die anhaltende finanzielle Ungleichbehandlung der Höheren Berufsbildung im Vergleich mit der Hochschulstufe: «Das bleibt eine Baustelle. Wer heute an der Berufsbildung spart, zahlt morgen mit Fachkräftemangel und weniger Innovation.» 

Auch in Graubünden wurden wichtige Weichen gestellt. Ein eigenständiges Gesetz über die Höhere Berufsbildung (GHB) wurde aufgegleist, im Frühjahr 2026 vom Grossen Rat verabschiedet und wird 2027 umgesetzt. «Das Gesetz ist ein politisches Bekenntnis», erklärte Regierungsrat Dr. Jon Domenic Parolini in seiner Grussbotschaft.

Parolini

Parolini verwies auf die hohe Zahl an Studierenden an der ibW: «Das sind Fachkräfte, die dem Kanton in den Unternehmen fehlen würden. Graubünden ist angewiesen auf gut ausgebildete Fachkräfte. Wenn Studierende in der Region arbeiten, verringert das den 'Brain Drain'.» 

Mit dem neuen Gesetz übernimmt Graubünden eine Vorreiterrolle: Die Finanzierung der Höheren Berufsbildung wechselt von einer Defizitgarantie zu einer Pro-Studierenden-Pauschale. Für den abtretenden ibW-Präsidenten Jürg Michel entspricht dies genau dem Ziel der ibW. Er dankte Parolini und dem Leiter des Amts für Höhere Bildung, Dr. Gion Lechmann, für die konstruktive Zusammenarbeit und hielt fest: «Wir wollen für den Kanton ein starker Partner in der Tertiär-Bildung sein. Wir bekommen nicht einfach mehr Geld, wir bekommen mehr Möglichkeiten – und damit weniger Ausreden.» 

Nach über 30 Jahren Tätigkeit an der ibW, davon die letzten fünf Jahre als Präsident, trat Jürg Michel an der Generalversammlung zurück. ibW-Direktor Stefan Eisenring blickte auf die gemeinsame Zeit zurück und würdigte die Verdienste Michels: «Er hat nicht nur geführt, sondern auch zugehört. Jürg hat immer verstanden, wie wichtig die Nähe zur Wirtschaft und zur Politik für uns ist. Er hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Jürg war und ist ein Glücksfall für die ibW!» 

Koch Michel

Unter grossem Applaus wurde Jürg Michel mit verschiedenen Geschenken, darunter einem Bild für eine Ahnengalerie an der ibW, verabschiedet.

Als Nachfolger von Michel wählte die Generalversammlung den Unternehmer und Grossrat Jan Koch, der bereits im Vorstand des Trägervereins mitwirkte, zum neuen Präsidenten. «Jürg hat wesentlich dazu beigetragen, dass die ibW heute eine starke, breit abgestützte und anerkannte Institution ist. Dafür gebührt ihm grosser Dank und Anerkennung», sagte der neue Präsident. «Für mich geht es in meiner Funktion nicht darum, etwas völlig neu zu erfinden. Wir können auf einem sehr guten Fundament weiterbauen.» 

Zu den Gratulanten für den scheidenden und den neuen Präsidenten gehörten unter anderem der Präsident des Bündner Gewerbeverbands, Viktor Scharegg, sowie die Standespräsidentin und zukünftige Regierungsrätin Valérie Favre-Accola. 

Ebenfalls neu in den Vorstand des Trägervereins gewählt wurde Finanzfachmann Marco Schädler. Er ersetzt die zurückgetretene Brigitte De Coi. 

Im Jahresrückblick erinnerte ibW-Direktor Stefan Eisenring an mehrere Highlights des vergangenen Jahres, etwa an den «MuniMax» am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2025, den ibW-Studierende im Rahmen ihrer Weiterbildung mitentwickelt hatten. 

Den Schlusspunkt des offiziellen Programms setzte schliesslich Moderatorin und ibW-Dozentin Melanie Salis mit einem Interview mit dem Churer NHL-Star Nino Niederreiter. 

Nino Niederreiter

Der Stürmer der Winnipeg Jets zeigte auf, wie wichtig es sei, Herausforderungen zu suchen und anzunehmen. Dadurch habe er schon früh gelernt, mit Druck umzugehen. 

Eigentlich spreche er nicht gern vor vielen Leuten, sagte er, aber er mache es doch immer wieder: «Und wenn es vorbei ist, macht es mich dann auch wieder stolz.» Neues kennenzulernen, sich zu überwinden und stetig zu wachsen sei ihm wichtig, so der 34-Jährige. Er würde gerne noch zwei weitere Jahre in der NHL spielen, wolle sich aber auch auf die Zeit nach der Karriere vorbereiten: «Damit ich dann nicht in ein Loch falle.» 

Beim anschliessenden Apéro Riche im Bistro nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Austausch. So klang ein vielseitiger GV-Abend an der ibW in stimmungsvoller Atmosphäre aus.

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